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Content-Diebstahl - aus rechtlicher und SEO-Sicht

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Contentklau findet permanent statt, auch und gerade im SEO-Bereich und auch diese Woche wieder: Bekannte SEOs twittern einen geklauten Artikel, bis der Urheber sich zu Wort meldet. Letzte Woche ist es uns so ergangen mit diesem Artikel. Und SEO-United kämpft permanent mit dem Content-Diebstahl.

 

Contentklau - verschiedene Aspekte

Das Thema Contentklau kann selbstverständlich aus zahlreichen Blickwinkeln betrachtet und individuell unterschiedlich bewertet werden. In diesem Post will ich es aus praktischer und SEO-Sicht versuchen. Disclaimer: Ich bin kein Rechtsanwalt und erteile keinen Rechtsrat. Aber ich habe praktische Erfahrung und sage nicht dauernd Es kommt darauf an - wir wissen ja, dass jeder Fall ein wenig anders aussieht.

 

Was regelt das Urheberrecht?

Am besten gleich zu den wichtigsten Fakten: Die 1:1-Übernahme (auch) von Texten verletzt das Recht des Urhebers, selbst zu entscheiden, wo seine Texte veröffentlicht werden. Ideen und Gedanken dürfen übernommen werden, NICHT aber die Form(ulierung) eines Textes - zumindest dann nicht, wenn der Text eine ausreichende „Schöpfungshöhe" besitzt und deshalb aus rechtlicher Sicht schützenswert ist.

 

Wann reicht die Schöpfungshöhe?

Wann die Schöpfungshöhe „ausreicht", ist nicht immer eindeutig. News bzw. Nachrichten, die auf identischen Fakten basieren (sollten), gehören nicht dazu. In der Regel sind entsprechende Meldungen auch so kurz, dass das Faktische und nicht die Form(ulierung) im Vordergrund steht. Kleine Anekdote am Rande: Auch ganz Große kupfern Texte ab. Bei Wort-für-Wort-Übernahmen bzw. „annähernd 1:1-Übernahmen" von individuellen Texten ist davon auszugehen, dass das Urheberrecht verletzt ist.

 

Übernahme? Nur mit Einverständnis!

Wann kann ich größere Textpassagen übernehmen, ohne das Urheberrecht zu verletzen? Im Prinzip muss ich das Einverständnis des Urhebers vorher einholen. Ein Nein bedeutet Njet. Zum Mitschreiben: Wenn ganze Artikel oder größere Text-Teile übernommen werden sollen, reicht es - zumindest ohne Einverständnis - demnach auch NICHT, die Quelle zu nennen und/oder sie zu verlinken.

 

Auch wenn der oben angesprochene Artikel (inzwischen?) zum Original verlinkt ist: Ohne vorheriges Einverständnis von Ranking-Check ist die 1:1-Übernahme ein klarer Urheberrechtsverstoß. Ergänzend und vertiefend kann ich diesen Artikel zum Thema verlinken, zitieren, publizieren wärmstens empfehlen. Auch der aktuelle Artikel Abmahnungen vermeiden ist lesenswert.

 

Umschreiben? Rein rechtlich OK!

Umgeschriebene Artikel sind rein rechtlich unproblematisch, die moralische Bewertung ist individuell. Zu einer solchen Überarbeitung - ohne Hinweis auf die Inspirationsquelle - habe (also auch) ich meine eigene Meinung: Inspiration <-> Mutation

 

Contentdiebstahl: Wie aufdecken?

Wie kann ich prüfen, ob eigene Texte (1:1) übernommen wurden? Entweder komplette Sätze aus eigenen Texten bei Google in Anführungszeichen eingeben oder zum Beispiel über Copyscape oder über dieses Textbroker-Tool. Weitere Tools für das Auffinden von Plagiaten sowie Tipps für den Umgang mit Plagiatoren bei Dr. Web

 

Wie gegen Contentklau vorgehen?

Wie kann ich mich als Urheber gegen Contentklau wehren? Via Anwalt abmahnen und strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern (Screenshots nicht vergessen). Steht man auf der anderen (falschen) Seite: Solche Unterlassungserklärungen sollten nicht ohne anwaltliche Prüfung unterschrieben werden. Das bedeutet zwar nochmals Kosten für den (zurecht) Abgemahnten, allerdings ist der Umfang einer Unterlassungserklärung (-> was in Zukunft alles zu unterlassen ist) und die Strafe bei Zuwiderhandlung oft unangemessen groß bzw. hoch.

 

Die Strafe für Content-Diebe

Was kostet eine solche Urheberrechtsverletzung? Mindestens 100 Euro (bei einer Privatperson ohne gewerbliches Interesse), je nach Gegenstandswert u. U. aber auch über 1.000 Euro. Wenn die verletzende Webseite gewerblich orientiert ist, dann wird's schnell teuer, weil dann davon ausgegangen werden kann, dass der geklaute Text zu besseren Rankings und mehr Traffic bzw. Umsatz führen soll.

 

Nein, dazu ist weder ein Shop, noch sind Anzeigen (Banner, AdSense & Co.) auf der Seite notwendig, denn bereits die (etwa im Impressum genannten) Kontaktdaten könnten zu Leads führen und die Seite "gewerblich" machen. Und nochmals nein, auch bei einer Privatperson könnte unterstellt werden, dass die Domain, obwohl noch keine Angebote oder Anzeigen zu sehen sind, erstmal nur gepimpt und später im Hinblick auf ihre eigentliche (kommerzielle) Bestimmung ausgebaut werden sollte.

 

Über die fremden (und eigenen) Anwaltskosten hinaus, kann auch noch Schadensersatz fällig werden. Dazu muss allerdings der durch den Contentklau entstandene Schaden konkret beziffert werden, was sich in der Praxis meist als schwierig erweist. Klar ist aber: Je mehr Texte, Bilder usw. geklaut wurden, desto höher der dadurch entstandene (und theoretisch zu ersetzende) Schaden des Urhebers.

 

Alternativen zur Abmahnung

Ich habe in diesem Zusammenhang schon zahlreiche Telefonate mit Contentdieben geführt, und - ganz ehrlich - die Erklärungsversuche (Ausreden) waren alle mehr oder weniger intellektuell beleidigend. Man fragt sich: Für wie blöd wird man gehalten? Meines Erachtens war sich jeder des Unrechts bewusst.

 

Natürlich kann man auch einfach verbal auf die Finger klopfen und einen schön formatierten, im HTML weit oben platzierten Backlink mit Keyword-Ankertext fordern - aber nicht wenige löschen die Seiten nach der ersten (nichtanwaltlichen) E-Mail-Kontaktaufnahme. Wer es auf einen Backlink abgesehen hat, sollte direkt anrufen, was aber u.U. an einer nicht auffindbaren Telefonnummer scheitert.

 

Content-Diebstahl und die Moral

Zum moralischen Aspekt: Würden Sie sich etwas „leihen", ohne den Besitzer vorher zu fragen. Ja? Genau deshalb heißt es Content-DIEBSTAHL. Traffic kann man nicht einfach wieder zurückbringen, speziell in Instant-Web 2.0-Zeiten.

 

SEO-Aspekte beim Contentklau

Das bringt mich zum SEO-Aspekt: Da seit dem MayDay-Update bzw. der Einführung von Google Caffeine topaktuell indexiert wird (Pingen nicht mehr nötig, ein Tweet reicht häufig schon), weiß Google in der Regel, wer zuerst dran war. Außer es handelt sich um ein (automatisiertes) "Speed-Napping". Und selbst wenn: Meist beißt ja der Hund das Herrchen - und nicht umgekehrt. Soll heißen: Google kann sich meist auch algorithmisch denken, wer jetzt von wem geklaut hat. Andererseits habe ich auch schon Websites gesehen, die ausschließlich aus (vielen verschiedenen Quellen) 1:1 übernommenen Texten bestehen und trotzdem dauerhaft unter den Top 3 ranken - allerdings nur in weniger wettbewerbsintensiven Bereichen, wo die Verlinkung schwach und OnPage entsprechend wichtig ist.

 

Umgekehrt finde ich den SEO-Aspekt interessanter. Und frage mich: Werden Duplikate wohl dofollow verlinkt? Klar, getwittert schon. Aber wer auf seinen Seiten auf andere Seiten zum Thema verweisen will, wird sich die entsprechende Quelle wohl eher über Google pullen (und da steht das Original mit großer Wahrscheinlichkeit weit vor der Fälschung) als sich von einem Twitter Push beeindrucken zu lassen. Und auch wenn Trackbacks für den aktuellen Plagiator rausspringen könnten: Die kommen tendenziell wohl eher aus der Nachbarschaft, die schon x-Mal verlinkt hat. Kopieren gibt für mich mit Blick auf das Ziel der Domain-Diversität beim Verlinken also wenig Sinn - und der Social Media Instant Traffic ist zwar keineswegs wertlos, aber meist auch schnell verheizt.

 

Wertschöpfung durch Mix & Mash

Zum Wertschöpfungsaspekt: "Mix'n Mash" ist nachweislich auch auf volkswirtschaftlicher Ebene wertschöpfend und kann gerade im Bereich Software bzw. Coding zu added Value führen. Aber (mehr oder weniger) komplett übernommene Texte schöpfen keinerlei zusätzlichen Wert, müllen die Köpfe und das Internet zu und untergraben die Innovationsfreunde bei den Ingenieuren bzw. Kreateuren.

 

Was ist KEIN Content-Diebstahl?

„Manuelle" Übersetzungen schöpfen übrigens sehr wohl einen Wert und deshalb gilt das bisher Gesagte auch NICHT für Übernahmen von fremdsprachigen Texten. Einen Artikel anzuteasen bzw. (eine) ganz kurze Passage(n) daraus zu clippen ist, mit Start- oder Unterseiten- (Deep) Link, auch OK (siehe Google-Suchergebnisse) - selbst wenn die Verlage immer wieder dagegen anrennen.

 

Einen Sonderstatus genießen übrigens auch Pressemitteilungen, die meines Wissens ebenfalls 1:1 übernommen werden dürfen - vermutlich, weil diese von vorneherein mit Blick auf größtmögliche Verbreitung geschrieben werden (und nicht selten wenig kreativ sind ;-). Einen Text (der keine Pressemitteilung ist) zu klauen und ihm das Etikett „Pressemeldung" umzuhängen, hilft dem Dieb (wenn er erkannt und verfolgt wird) aber NICHT weiter.

 

 

Diesen Artikel verlinken? Einfach Code im Fenster kopieren - und dann z. B. im eigenen Blog einfügen:

Der Link sieht so aus: Contentklau & SEO: Wie reagieren? Der Linktext ist natürlich individuell wählbar.

 

So, jetzt seid ihr dran. Ergänzungen, Vertiefungen, Klarstellungen und Kritik bitte in den Kommentaren.

 

Kommentare

Diskussion geschlossen
  • Philip (Freitag, 19. November 2010 10:01)

    Wichtiger Artikel, und schöner Linkbait ;-) In den aktuellen Zeiten wird immer mehr publiziert, der schöne unique content ist da schnell wackelig.
    Hier noch ein kleines Programm, um duplicate content zu finden: http://www.textbroker.de/uncover/ (Unique Content Verifier).

    P.S. Die Nennung des Autors wäre eigentlich ganz schön.

  • Robert (WebsiteToolTester) (Freitag, 19. November 2010 10:25)

    Habe da auch schon meine Erfahrungen gemacht. Der Übeltäter hat den Text dann kommentarlos gelöscht. Gemerkt hatte ich das über Google Alerts. Copyscape finde ich etwas mühsam, weil man damit jede
    Seite einzeln prüfen muss (zumindest im kostenlosen Tarif). Aber ich seh mir mal den Tipp von Philip an, sieht interessant aus.

  • Markus Bauer (Freitag, 19. November 2010 10:32)

    @Philip,
    ich nehme an, Du meinst den Autor dieses Artikels und - mea culpa, Du hast natürlich recht - ich habe ihn selbst geschrieben (trage via Impressum aber sowieso die Verantwortung für alle hier
    veröffentlichten Inhalte).
    Danke auch für Deine Ergänzung, der Link wird oben eingebaut.

    @Robert: Ja, ist ein Evergreen-Thema und alle guten Blogs werden mehr oder weniger regelmäßig "gecovert". Copyscape "free" kann in der Tat etwas mühsam sein, reflektiert aber grundsätzlich ganz gut,
    was Google sieht (und was nicht).

  • Timo (Mittwoch, 24. November 2010 08:24)

    Sehr schöner Artikel, wir kennen das Thema aus eigener Erfahrung.
    Die Top 3 Ausreden
    1.Das war mein Partner und der ist gerade nicht im Haus.
    2.Die Webseite haben wir so übernommen und die Texte waren dort schon vorhanden.
    3.Wir sind uns keiner Schuld bewusst.

    @Philip besten Dank für den Tipp das Tool kannte ich noch nicht.